Dienstag, 17. September 2013

Ein weiser Rabe





Rabenweisheit

Es war einmal ein weiser Rabe,
der hatte eine selt'ne Gabe;
er sah, was anderen blieb verborgen:
das Glück, den Kummer und die Sorgen.

Er sah auch Falschheit und Intrigen,
sah Heuchelei und dreiste Lügen,
sah Bitternis und süßes Hoffen,
wenn Amors Pfeil ins Herz getroffen.

Er sah die Schwäche und den Jammer
durchs Fenster einer Krankenkammer,
sah Hochmut, Missgunst, Neid und Stolz,
Verzweiflung, Wut und Nudelholz.

Er sah die Feigheit sich verstecken
hinter der Bosheit scharfen Ecken,
sah Schäbigkeit und holden Wahn
gepaart in einem Lebenskahn.

Er sah Bereitschaft, zu verzeihen,
und Leute nutzlos sich kasteien;
sah manche voller Gier verschlingen,
worum die meisten mühsam ringen.

Er sah den ganzen irren Sinn,
der Menschen plagt von Anbeginn,
und fragt', warum in aller Welt
der Mensch sein Dasein so bestellt.

Haben nicht schon vor langer Zeit
Philosophen weit und breit
verkündet das Gesetzt des Lebens...
War all die Denkarbeit vergebens?

Da fragt der Rabe ungeniert,
doch leider auch recht deprimiert:
Warum steh'n Menschen auf dem Schlauch
bei ihres eig'nen Hirns Gebrauch?



Marion Wolf






22 Kommentare:

  1. Hallo Angela,
    einfach schön, Gedicht und Foto.:-)

    Liebe Grüße, Margot.

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  2. Hallo Angela :)

    Raben und Krähen sind schon faszinierende Tiere und sehr klug dazu.
    Wobei mir diese Krähenbäume manchmal nicht ganz geheuer sind.

    Lieben Gruß
    Björn :)

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    Antworten
    1. Das stimmt, Björn. Wenn es so viele aif einem Haufen sind, finde ich das auch unheimlich.

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  3. Sehr schöne Bilder, Angela, untermalt mit einem absolut wahrem und weisem Gedicht!
    Beides gefällt mir sehr.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Dankeschön Sonja :)
      Freut mich wirklich sehr, dass dir mein Post gefällt!

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  4. Hallo Angela,
    ja Raben sind sehr mystische Tierchen, die allerdings meist mit Unheil und nicht mit Weisheit verbunden werden.
    Ein seht schönes Gedicht im übrigen, welches Du da mit uns teilst :)

    Liebe Grüße
    Holger

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    1. Genau deswegen gefällt mir dieses Gedicht so!
      Ich finde Raben haben ein so schlechten Ruf nicht verdient ;)

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  5. Hallo Angela

    Manchmal wäre ich gerne ein Rabe einfach wegfliegen in meinem schwarzen Kleid.
    Sehr schönes Gedicht und tolle Bilder.

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Oh ja, das wünsche ich mir auch manchmal!
      Danke dir Tina :)

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  6. Also...ähm...ich bin sprachlos: Von daher ... Chapeau !!!!

    Ganz liebe Grüße

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  7. Passt gut zusammen, der Text mit den Fotos :)
    LG Eva

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  8. Liebe Angela, in jeder Hinsicht genial.

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  9. Könnte glatt bei mir auf dem Dach sein. Da hocken sie immer in ihrer Weisheit und warten, dass ich ihnen etwas zum Futtern spendiere.
    Sehr interessante Vögel. Ich mag sie sehr, auch wenn sie manchmal, besonders im Herbst ein wenig düster rüberkommen.

    Lieben Gruß
    Detlef

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    1. Ich mag sie auch wirklich sehr.
      Oft beobachte ich sie bei uns vom Balkon aus.
      Danke für deinen Kommentar :)

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Vielen Dank, ich freue mich sehr über jeden Kommentar!

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